Wenn Gott sanft zum Stillstand ruft
Über zwei Monate ist mein letzter Post auf Instagram her. Geplant war diese Pause nicht. Sie ist einfach passiert. Und doch weiß ich heute: Sie war notwendig. Als ich wieder begonnen hatte, auf Social Media aktiv zu sein, nahm ich mir fest vor: Diesmal wird alles anders. Weniger Druck. Weniger Stress. Mehr Freude, mehr Echtheit.
Ich liebe es, mit euch über Gott, seine Schöpfung und über ganzheitliche Gesundheit in göttlicher Ordnung zu sprechen. Doch ich hatte mir geschworen: Wenn sich meine Gedanken mehr um Contentplanung als um Gott selbst drehen – dann ziehe ich die Bremse. Und genau das ist passiert. Ein paar Tage ohne Content, und schon kreisten meine Gedanken nur noch um den Algorithmus. „So unprofessionell, obwohl du genau weißt, wie es richtig geht!“, dachte ich. Da wusste ich: Nein, diesmal nicht. Diesmal lasse ich mich nicht mehr von meinem inneren Monk bestimmen. Denn wahre Freiheit beginnt dort, wo man bereit ist, loszulassen.
Ich verordnete mir eine Social-Media-Pause im Wissen, dass meine „Arbeit“ bis dahin vermutlich an Sichtbarkeit verliert. Doch statt wirklich zu ruhen, suchte ich mir die nächste „Flucht“. Ich stürzte mich in meine neue Selbstständigkeit als Autorin und in meinen kleinen Onlineshop. Jede freie Minute, meist spät nachts, wenn die Kinder schliefen, saß ich an meinen Projekten. Bis ich mich selbst dabei ertappte, wie ich sogar im Schlaf noch arbeitete. Da läutete wieder meine innere Glocke: Stopp! Nicht schon wieder. Also verordnete ich mir widerwillig eine Arbeitspause. Denn mein erster und letzter Gedanke, meine Träume und meine Sehnsucht sollen sich um Gott drehen. Nicht um meine Arbeit!
Aber wer mich kennt, ahnt es schon: Ich suchte mir den nächsten Zufluchtsort. Den Ort, an dem mein Perfektionismus wieder die Oberhand gewann. Der Haushalt. Der Garten. Ich, die dachte, ihren Perfektionismus längst überwunden zu haben, merkte plötzlich: Er war nie weg. Nur auf Standby – bereit, im richtigen Moment wieder zuzuschlagen. Denn wenn Perfektionismus die Kontrolle übernimmt, rutscht Gott automatisch von der Prioritätenliste. Ich ging zwar täglich zur Hl. Messe, betete und studierte die Bibel und doch war ich in Gedanken wieder ständig woanders: bei Contentideen, Arbeitsprojekten oder der nächsten Haushalts-To-do-Liste. Und diese nimmt niemals ein Ende. Schon gar nicht mit vier Kindern unter zehn.
Was ist bloß los mit mir? Warum kann ich nicht einfach mal nichts tun? Egal, was ich anfange, ich bin immer ganz oder gar nicht dabei und kann nicht loslassen, bis ich es endlich von der To-do-Liste abhaken kann. Und das ist so erschöpfend. Selbst beim Lesen, meinem eigentlich entspannten Hobby, eskaliert es. Wenn ich ein Buch anfange, kann ich nicht aufhören und wenn’s sein muss, lese ich die ganze Nacht durch.
Doch Gott hat seine eigenen Wege, uns zur Ruhe zu bringen. Und so wurde ich schwanger.
So sehr ich mich über das neue Leben freue, wusste ich auch: Es wird nicht leicht. Meine Schwangerschaften waren nie einfach. Fast immer musste ich hauptsächlich liegen wegen Vorwehen und anderer Beschwerden. Ich wusste sofort: Spätestens jetzt bringt Gott mich zum Stillstand. Und das tat er. Plötzlich konnte ich nicht mehr hundert Prozent geben – nur noch fünfzig. Und das tat weh. Hilfe anzunehmen oder gar um Hilfe zu bitten, fällt mir unglaublich schwer. Ich möchte niemandem zur Last fallen.
Ich wünsche mir so sehr, loslassen zu können, wann immer ich es möchte. Mich selbst loszulassen. Meinen Perfektionismus. Meinen Drang, immer alles im Griff zu haben. Die Kontrolle abzugeben. Puh… schon bei dem Gedanken wird mir heiß und mein Herz beginnt schneller zu schlagen. So tief sitzt dieses Muster.
So oft bete ich: „Jesus, ich gebe mich dir hin. Bitte sorge du.“ Aber wie oft meine ich das wirklich so? Solange ich mich stark fühle, halte ich unbewusst an meiner eigenen Kraft fest. Erst, wenn sie schwindet, kommen die Gebete wirklich aus der Tiefe. Ich durfte in den letzten Jahren schon mehrmals erleben, wie Gott mich genau auf diese Weise formt. Wie er Krankheit und Leid nutzt, um mich zu heilen. Und obwohl ich immer wieder in alte Muster falle, darf ich erkennen: Auch das ist Wachstum. Auch das ist Gnade. Denn er lässt mich niemals los. Während ich diese Zeilen schreibe, kommen mir Tränen – aus Dankbarkeit. Diese unendliche Geduld, diese Liebe, die Gott mir entgegenbringt, lässt mich still und demütig werden.
Ich wünsche mir so sehr, dass mein erster und letzter Gedanke des Tages immer ganz Gott gehört. Nicht den To-do-Listen. Nicht dem Haushalt. Nicht der Arbeit. Ich wünsche mir, Dinge langsam tun zu dürfen, ohne Druck. Mir selbst sagen zu können: Du arbeitest jetzt zwei, drei Stunden, und das reicht. Denn mein innerer Monk will immer alles sofort abhaken. Doch diese Liste wird niemals enden. Ich will frei werden. Frei von dem Zwang, ständig leisten zu müssen. Ich will ganz für Ihn leben und die Freiheit haben, mir und meinem Perfektionismus „Nein“ sagen zu können. Und das erfordert manchmal radikale Entzüge, die mich richtig aus der Ruhe bringen.
Darum verzeiht mir bitte, wenn plötzlich unerwartete Pausen kommen. Es ist kein Desinteresse. Es ist ein Kampf. Nicht gegen Social Media. Sondern ein Kampf gegen mich selbst und meinen Perfektionismus.
In Liebe,
eure Veronika
